Bukarest

Das Paris des Ostens
Bis 1659 war die Stadt Târgoviște die Hauptstadt eines als Walachei bezeichneten Territoriums. Ab dann löste Bukarest die Stadt als Hauptstadt der Walachei ab und wurde zunächst zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Walachei, im Laufe der Zeit dann von ganz Rumänien.
Bukarest
Bukarest
Bukarest (rumänisch București) ist die Hauptstadt Rumäniens. Die Stadt gilt als sechstgrößte Stadt der EU. Sie liegt in der walachischen Tiefebene in der großen Walachei zwischen Transsilvanien und dem schwarzen Meer.
Stadtzentrum
Stadtzentrum
Bukarest war nicht immer Hauptstadt: Früher hatte die Stadt Târgoviște die Funktion als Regierungssitz und Verwaltungszentrum eines als Walachei bezeichneten Territoriums inne. Ab 1670 löste Bukarest die Stadt als Hauptstadt der Walachei ab und wurde zunächst zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Walachei, im Laufe der Zeit dann von ganz Rumänien.
Historische Fassaade
Historische Fassaade
In späteren Zeiten dann orientierten sich die Eliten der Stadt kulturell an Frankreich, was den Baustil und das Erscheinungsbild Bukarests prägte (auch wenn einige der prächtigen Gebäude dem Zustand des Verfalls bedauerlich nahe gekommen sind).
Innenstadt
Innenstadt
Die öffentlichen Bauwerke und Gewerbegebäude im Stadtzentrum sind gut erhalten. Wir blicken hier auf das Restaurant Caru' cu Bere (sinngemäß etwa Bierkutsche oder Bierwagen), welches durch seine Räumlichkeiten und selbst hergestelltem Brot und Bier hervorsticht. Es ist bekannt und wird in Reiseführern wie dem Lonely Planet erwähnt.
Caru' cu Bere
Caru' cu Bere
Das Lokal bietet neben passablen Biersorten typische rumänische Küche aus allen Regionen des Landes in guter Qualität. Bei Einheimischen und Touristen gleichermassen beliebt empfiehlt es sich, zu reservieren.
Altstadt
Altstadt
Die Altstadt von Bukarest beherbergt ein El Dorado an Gastätten, Pubs, Kneipen, Cafés und Imbissen aller erdenklicher Nationalitäten. Wer also mit traditionellen rumänischen Gerichten nichts anfangen kann, kommt dennoch auf seine Kosten.
Restaurant
Restaurant
Ich persönlich möchte ja auf Reisen und im Urlaub genau solche Sachen nicht essen. Aber andere Touristen sind für dieses Angebot sicherlich dankbar.
Backwaren
Backwaren
Das rumänische Essen unterscheidet sich von vielen europäischen Küchen dadurch, dass es vielen Einflüssen unterliegt: Auf der einen Seite stark durch österreichisch-ungarische Küche geprägt (wie hier der gefüllte, frittierte Pfannkuchen) gibt es ebenso Gerichte aus der serbokroatischen-meditteranen Küche. Hinzu kommen noch Einflüsse aus der Schwarzmeerregion (Moldau, Bulgarien). Generell ist das Essen in Rumänien eher herzhaft und deftig.
Abenddämmerung
Abenddämmerung
In der Dämmerung kann man mit etwas Glück die Altstadt in zauberhafter Stimmung erleben, wenn die untergehende Sonne die vernachlässigten historischen Gebäude warm beleuchtet und das weiche Licht bröckelndes Mauerwerk schmeichelnd glättet.

Die Elite des Landes orientierte sich in diesen Zeiten stark an Frankreich, was starke Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Stadt hatte. Viele prächtige Bauwerke erinnern an diese Zeit. Leider befindet sich so manches davon aufgrund sozialistischer Vernachlässigung und Armut des Landes in renovierungsbedürftigem Zustand.

Die Bezeichnung Micul Paris (kleines Paris) der Einheimischen stammt wahrscheinlich aus diesen Zeiten.

Historisches Gebäude
Historisches Gebäude
Viele prachtvolle Gebäude tragen zum Erscheinungsbild des Stadtzentrums bei. Dieses beherbergt eine Bank, direkt am Rand der Fußgängerzone. Die Architektur erinnert an Paris.
Innenstadt
Innenstadt
Außerhalb der Altstadt mit ihren vielen Kneipen ist das öffentliche Leben von Wohnhäusern, Gewerbe und Verwaltung bestimmt. Die Fußgängerzone beschränkt sich auf die Altstadt.
Straßenmusiker
Straßenmusiker
Straßenmusikanten allenthalben, einige können noch deutsch aufgrund vergangener Gastarbeiteraufenthalte. Interessanterweise ist Rumänisch die einzige osteuropäische Sprache ohne slawische Wurzeln. Wahrscheinlich verursacht durch die kurze Zeit unter der römischen Herrschaft Kaiser Trajans ist Rumänisch dem Latein abgeleitet. Die Wortähnlichkeit mit anderen lateinischen Sprachen Europas (italienisch, französisch, spanisch etc.) ist mit durchschnittlich über 70% sehr hoch.
Biserica Curtea Veche
Biserica Curtea Veche
Zahlreiche orthodoxe Kirchen prägen das Stadtbild. Die Biserica Curtea Veche (alte Hofkirche) gilt als das älteste Gebäude Bukarests.
Vlad III. Drăculea
Vlad III. Drăculea
Die Kirche gehört zum im 15. Jhd. für Vlad III. Drăculea errichtete Fürstenhof (Curtea Veche). Vlad III. erlangte nach seinem Tod (wahrscheinlich zu Unrecht) die zweifelhafte Ehre als Meister der Blutrünstigkeit und den Beinamen Țepeș (Pfähler). Er diente wohl Bram Stoker als historische Vorlage für den Blutsauger Drakula.
Hanul Manuc
Hanul Manuc
Das Hanul Manuc ist eine gut erhaltene mittelalterliche Schänke und beherbergt heute ein Hotel und ein Restaurant, welches dem Hörensagen nach einen Besuch wert ist.
Historische Hausfassade
Historische Hausfassade
Andere Gebäude sind verwahrlost und warten seit langem auf Geld für die Wiederherrichtung oder auf den Abriss.
Villa
Villa
Auch abseits der Altstadt finden sich architektonische Kleinode.
Stadtkern
Stadtkern
Im Allgemeinen ist das Erscheinungsbild aber eher trostlos und wird zunehmend von modernen Gebäuden bestimmt
Bukarest ist der ideale Ausgangsort für Ausflüge ins Donaudelta und ans schwarze Meer (welches in Rumänien vergleichen mit Bulgarien teuer ist) und lädt mit der Altstadt mit ihren zahlreichen Kneipen, dem Flüsschen Dâmbovița, seine Parks und Museen zu einem drei- bis viertägigen Aufenthalt ein.
Circulați pe linia anticorupție
Circulați pe linia anticorupție
Eine Straßenbahnlinie ist der Anti-Korruption gewidmet: Circulați pe linia anticorupție 0800.806.806. Ob es hilft? Rumänien gilt allgemein als Hochburg der Korruption innerhalb der EU. Tatsächlich liegt es zusammen mit Ungarn und Bulgarien auf Rang 69 des CPI und somit auf dem letzten Rang der EU-Staaten (das ehemalige Schlusslich Griechenland hat inzwischen durch einige Reformen auf Platz 59 verbessert).
Straße
Straße
Das Erscheinungsbild um den Stadtkern herum kann Spuren von Trostlosigkeit enthalten. Riesige Straßen schlagen hier Schneisen in das Stadtbild.
Bulevardul Libertății
Nach dem Krieg gelangte der stalinistische Diktator Nicolae Ceaușescu an die Macht und führte nicht nur das Land in die Armut, sondern zerstörte auch zahlreiche historische Stadtviertel zugunsten pompöser Bauten, die man heute stilistisch unter dem Begriff Zuckerbäckerstil einordnet.
Palast des Parlamentes
Der Zuckerbäckerstils kulminiert in seinem Meisterwerk, dem Parlamentspalast (Palatul Parlamentului, betrachtet vom Bulevardul Unirii).
Haus des Volkes
Das früher als Haus des Volkes (Casa Poporului) bezeichnete Gebäude ist eines der größten Gebäude der Welt (gemessen an der Fläche) und wurde vom Diktator Nicolae Ceaușescu für sich und seine Frau errichtet. Es gilt als (Zitat) monströse Metapher für maßlose Tyrannei. Wer würde hier nicht gerne wohnen...
Dâmbovița
Kleines Paris (Micul Paris) nennen die Einheimischen seit jeher ihre Stadt. Nirgends ist dieses Gefühl präsenter als beim Flanieren entlang des in der Stadt kanalisierten Flüsschens Dâmbovița (einer der beiden Quellflüsse des Argeș). Wie in Paris wurde hier der Fluss durch die Stadt komplett einbetoniert. Und wie in Paris gewinnt die Maßnahme keinen Schönheitspreis.
Splaiul Unirii
Beim Flanieren kommt tatsächlich für Momente die Illusion auf, an der Seine entlangzuschlendern. Aber mit der Pracht der Seinestadt verglichen kann Bukarest nur hintenanstehen.
Dâmbovița
Im Stadtkern finden sich abwechslungsreiche Kulissen entlang des Flusses. Irgendwann wird die Gegend dann einfacher und weniger mondän. Wir überqueren den Fluss auf einer der Brücken und spazieren zurück ins Zentrum.
Abend am Fluss
Auffällig hingegen ist in Bukarest ist das Fehlen jeglicher Freizeitkultur an den eingefassten Ufern des Dâmbovița: Es gibt hier keinen Biergarten, kein Restaurant. Nicht einmal einen Kiosk sehen wir.

Nacht

Damit verabschieden wir uns aus der Hauptstadt Rumäniens, dem kleinen Paris, manchmal auch Paris des Ostens genannt (wie übrigens ca. 20-50 andere Städte auch). Wir hatten weniger Erwartungen, als letztendlich erfüllt wurden. Hier kann man auch länger als nur drei Tage bleiben. Immerhin haben wir nicht gesehen: Den Triumphbogen (Arcul de Triumf), den Herăstrău-Park und den Cișmigiu-Park und und und...