Westkarpaten

Durchs wilde Karpatistan

Von der serbischen Grenze über die rumänischen Westkarpaten (Banater Berge), durch die Südkarpaten oder das Transsilvanische Becken bei Sibiu oder in den Ostkarpaten bei Brașov: Von sanften Mittelgebirgshügeln bis zu schroffen alpinen Pässen, von riesigen Wäldern bis tief ins Karst gegrabenen Schluchten bleibt kein Wunsch unerfüllt. In den teils riesigen Gebieten leben Bären und Wölfe, Vorsicht sollte man eher bei giftigen Vipern walten lassen.

Unsere Route führte diesmal durch die Westkarpaten zwischen Reșița (deutsch Reschitz) und der Donau.

Richtung Banater Berge
Richtung Banater Berge
Der nächste Abschnitt der Tour führte uns in die Westkarpaten in der der Region Banat. Über schroffe Felsen, sanfte Hügel möchten wir ein weiteres Mal ans eiserne Tor, der wilden Karstschlucht, welche die Donau zwischen Rumänien und Serbien in den Kalk geschnitten hat. Von Bukarest gelangen wir zunächst mit dem Flugzeug nach Timișoara (deutsch: Temeschwar oder Temeschburg). Von hier wollen wir dann mit einem Mietwagen weiter, zunächst Richtung Donau.
Hügellandschaft im Banat
Hügellandschaft im Banat
Das Banat war die Heimat der Donauschwaben oder Banater Schwaben, der zweiten großen deutschen Minderheit, die in Rumänien lebte und im Banat lange die größte enthnische Minderheit darstellte.
Băile Herculane
Băile Herculane
Unsere erste Etappe in den Banater Bergen ist das 2000 Jahre alte Băile Herculane (Herkulesbad), welches mit seinen heißen Quellen schon bei den Römern als Kurort beliebt war.
Quelle
Quelle
Über eine Strecke von 4 km gibt es eine Reihe von Thermalquellen mit unterschiedlichen mineralischen Zusammensetzungen, die als Heilquellen benutzt werden. Das Wassertemperatur beträgt, je nach Quelle, zwischen 40° und knapp 70° Celsius. Manch eine dieser Quellen stinkt zudem gewaltig nach Schwefel.
Siedlung
Siedlung
Herkulesbad ist nur ein kleines Örtchen mit gut 5.000 Einwohnern. Dennoch besitzt es Stadtrechte. Die Siedlung begint an der Abzweigung der DN67D von der Nationalstraße DN6 (letztere verbindet Temeschwar mit der Donau) und zieht sich einige Kilometer entlang des Tals zwischen dem Cerna- und Mehedinți-Gebirge, beides Mittelgebirge.
Cerna
Cerna
Durch den Ort fließt das nach dem gleichnamigen Mittelgebirge benannte Flüsschen Cerna.
Tourismus
Tourismus
Der Ort war schon immer ein Touristenmagnet, einerseits seiner Heilquellen wegen, andererseit wegen der spektakulären Mittelgebirgskulisse. Leider sind die Tourismusinstallationen der Kulisse nicht immer angemessen.
Kurhotel
Kurhotel
Nach der Römerzeit hatte die Bedeutung als Kurort abgenommen, die Heilquellen scheinen jedoch durchgehend in Benutzung gewesen zu sein. Nachdem das Gebiet im 18. Jhd. an Österreich-Ungarn fiel, wurden neue Bäder errichtet bzw. alte wieder aufgebaut.
Kuranlage
Kuranlage
Durch den Zusammenbruch der sozialistischen Diktatur nach der Zeit Nicolae Ceaușescus entstanden häufig unklare Besitzverhältnisse, was u. A. die Ursache für den Verfall herausragender historischer Architektur aus der Zeit der Österreich-Ungarischen Monarchie ist. Sollten sich die Besitzverhältnisse einmal klären, steht sicherlich viel Geld für Restaurierung und Neuaufbau dieses Bäderkleinolds bereit. Schon heute ist es zu manchen Jahreszeiten nicht einfach, eine Übernachtungsmöglichkeit an diesem schönen Fleck in den Banater Bergen zu finden.
Hotelruine
Hotelruine
Die alte Pracht (hier im Ortskern) ist noch vorhanden, die noblen Hotels sind jedoch zu Ruinen verkommen und außer Betrieb.
Stadtzentrum
Stadtzentrum
Die kleine Stadt (hier der Eingang zum Ortskern) besitzt eine Bevölkerung von gut 5.000 Einwohnern, die aufgrund des blühenden Tourismus als sehr wohlhabend gelten und die Kinder auf Eliteschulen nach z. Bsp. nach Timișoara schicken.
Hotelanlage
Hotelanlage
Die Erscheinung des Stadtzentrums wird von einer Hotelanlage dominiert. Auch diese schöne Architektur ist eine Ruine und verfällt langsam, während die Eigentumsverhältnisse noch gerichtlich geklärt werden.
Statue des Herkules
Statue des Herkules
Vor dem ehemaligen und möglicherweise zukünftigen Hotel steht eine Statue des Namensgebers der Stadt - des griechischen Helden Herkules.
Musikant
Musikant
Wir sehen fast keine Menschen. Einig ein Straßenmusikant und sein Buddy bringen ein wenig Leben auf die Straße. Aufgrund einer Vergangenheit als Gastarbeiter spricht der Musikant sogar ein wenig deutsch.
Hotel
Hotel
Außerhalb des Ortskerns finden wir einige im sozialistischen Stil erbaute Hotels. Wer in Herkulesbad Zeit verbringen möchte, bucht ein Zimmer in solch einem Hotel oder in einer kleinen privaten Pension.
Cerna-Tal
Cerna-Tal
Nach einigen Kilomentern mit dem Auto befinden wir uns tiefer im Cerna-Tal. Wir sehen eine Landschaft, wie wir sie ähnlich auch in einem heimischen Mittelgebirge wiederfinden könnten. Im Gegensatz dazu ist es hier jedoch ruhiger und einsamer. Wir haben uns den Aufstiegt zu einem Wasserfall (der Cascada Vânturătoarea) ausgesucht. Der nicht allzuschwierige Aufstieg wird nicht mehr als eine oder eineinhalb Stunden dauern. Zurück geht es dann naturgemäß schneller.
Aufstieg
Aufstieg
Der Weg ist als nicht allzuschwere Wandertour ausgezeichnet, wir gehen einen schmalen, wenn auch steilen Pfad nach oben. Zwischendurch geht es auch mal kurze Strecken über Wurzel und Fels.
Mehedinți-Gebirge
Mehedinți-Gebirge
Wie so oft, wenn man irgendwo aufsteigt, wird man reichlich mit Aussicht belohnt. Wir sehen hier eine Kalkformation, wie es sie auch in der schwäbischen Alb gibt. Hier, am Rand des Mehedinți-Gebirges sind die Kalkabbrüche größer und spektakulärer.
Ausblick ins Cerna-Tal
Ausblick ins Cerna-Tal
Das Cerna-Tal gehört zum Nationalpark Domogled-Valea Cernei (Parcul Național Domogled-Valea Cernei). Einzigartig in Rumänien und weltweit selten sind die warmen Höhlen des Gebiets.
Eidechse
Eidechse
Die teilweise unerschlossene Karstlandschaft besitzt eine reichhaltige und teilweise einzigartiger Flora und Fauna mit seltenen Pflanden und Tieren. Zusammen stellen sie ein einzigartiges Ökosystem dar.
Cascada Vânturătoarea
Waterfall, waterfall, running down the hill ... Der Wasserfall selbst führt weniger Wasser als erhofft. Dennoch erfreuen wir uns am Anblick, denn im Sommer, wenn es in Rumänien sehr heiß und trocken ist, ist der Wasserfall wahrscheinlich versiegt.
Bachbett
Wieder zurück am Fuß des Berges sehe ich das trockene Bachbett, welches normalerweise durch den Wasserfall gespeist wird. Wir befinden uns hier in einer Karstlandschaft. Karstlanschaften zeichnen sich auch dadurch aus, dass die Entwässerung unterirdisch erfolgt. Das hat zur Folge, dass es kaum oberirdischen Wasserablauf in Form von Bächen gibt.
Bucht von Orșova
Wir sind inzwischen in Orșova angekommen. Die kleine Stadt liegt an der Mündung der Cerna in die Donau. Die Donau durchbricht hier auf spektakuläre Weise die Südkarpaten (Es ist etwas umstritten, ob das Mittelgebirge hier noch den Karpaten zugerechnet wird, aber der Einfachheit halber verwende ich die umgangssprachliche Bezeichnung).
Donau
An der Donau enden die rumänischen Westkarpaten. Wir sind etwa 1 - 2 Stunden südlich von Herkulesbad. Die Donau bildet hier die Grenze zu Serbien, und dort beginnen die Serbischen Karpaten. Die spektakuläre Landschaft links und rechts der Donau bilden jeweils ein Naturschutzgebiet. Auf der serbischen Seite liegt der Nationalpark Đerdap, in Rumänien sind wir hier im Naturpark Eisernes Tor (Parcul Natural Porțile de Fier).
Statue des Decebalus
Wie schon auf unserer ersten Reise nach Rumänien machen wir an der Statue des Decebalus halt. Diese höchste Felsstatue Europas wurde 2004 fertiggestellt, nach einer Bauzeit von zehn Jahren. Heute betrachten viele Einwohner Rumäniens die von Trajan besiegten Daker als Ihre Vorfahren. Die Trajansäule in Rom berichtet vom Krieg und Sieg des römischen Kaisers Trajan gegen den in dieser Statue verewigten Herrscher der Daker.
Eisernes Tor
Das Eiserne Tor gilt als einer der imposantesten Flussdurchbrüche Europas. Der gesamte Druchbruch erstreckt sich über eine Länge von ca. 120 km.
Bucht von Dubova
Der als Eisernes Tor bezeichnete Felsdurchbruch der Donau durch die Karpaten zählte früher zu den gefährlichsten Stellen für die Schifffahrt. Heute ist die Donau etwas flussabwährts aufgestaut und die Passage ist weniger gefährlich. Die Strömungsgeschwindigkeit des Stroms an den Engstellen ist dennoch nicht zu unteschätzen.
Durchburch
Durch das Kraftwerk Eisernes Tor 1 wurde das Niveau der Donau um bis zu 40 m angehoben. Streng genommen handelt es sich hier um einen (Stau)see, welcher an der tiefsten Stelle 120 m tief ist. Der gesamte See ist ca. 150km lang.
Karpaten
Die gesamte Region ist ein Paradies zum Wandern. Die naturbelassene Landschaft hat, was man in Deutschland nur wenig findet: Kaum Siedlungen, unberührte Natur mit vielfältiger Flora und Fauna.
Oberhalb der Donau
Oberhalb des Donautals befinden wir uns auf rumänischer Seite in den Banater Bergen. Wir blicken hier auf die Hügel der serbischen Karpaten jenseits des Flusslaufs.
Waldlandschaft
Die Westkarpaten zeichnen sich durch riesige Waldlanschaften aus, die zu diversen Naturschutzgebieten gehören. Ziel eines langfristigen EU-Projekt ist, ein zusammenhängendes Biosphärenreservat als Teil der künftigen Euroregion Donauraum zu schaffen.
Hirschkäfer
In dieser noch wenig berührten Natur gibt es sie noch: Seltene Tiere wie den Wolf, den Bär oder etwa diesen Hirschkäfer. In meiner Heimat habe ich den letzten Hirschkäfer in meiner Jugend im Wald gesehen. Hier liefen uns auf einer Strecke von wenigen Metern gleich ein gutes Duzend über den Weg.
Eingang zum eisernen Tor
Das Örtchen Coronini liegt am Eingang zum eisernen Tor und noch am Stausee Eisernes Tor. Wir sehen eine kleine Gaststätte und beschließen, hier zu Mittag zu essen. Während des Essens werden frisch gefangene Fische angeliefert, darunter ein riesiger Wels. Leider ist der schon verkauft und verladen, bevor ich das Smartphone aus der Tasche fingern kann.
Fischsuppe
Apropos Wels. In dieser einfachen, kleinen Gaststätte, in der sich außer uns nur noch ein paar Fischer aufhalten, bekomme ich die leckere Fischsuppe, die ich mir eigentlich im Donaudelta erhofft hatte. Wer hätte das gedacht...
Mici (hier pur mit Senf)
Ein Wort zu den Mici: Mici (die Kleinen) oder Mititi sind das Nationalgericht Rumäniens schlechthin. Die wie Cevapcici aussehenden Hackfleischröllchen wurden nachweislich das erste Mal im Bukarester Restaurant "Caru(l) cu bere" angeboten, wurden aber wohl schon früher im Restaurant Hanul La Iordachi kreiert. Wahrscheinlich hat jede Familie ihr eigenes Rezept (ähnlich wie es mit den Thüringer Bratwürsten ist), aber grundsätzlich muss ein Kilogramm Hackfleisch mindestens 3 g Natriumkarbonat enthalten, eine Zutat, welche in der EU normalerweise verboten ist. Bei Mici aber nicht.
Ocna de Fier
Ocna de Fier (Eisenstein) ist der Name eines Dorfes in den Banter Bergen. Auf der Zufahrt zu diesem Örtchen gibt es sie noch, die Straßen mit waschbeckengroßen Schlaglöchern, deren Umkurvung auf der vernachlässigten Straße nicht immer gelingt. Ein kleines Dorf, mitten im Nirgendwo.
Bergwerk
Doch der Anschein täuscht, das Örtchen hat Vergangenheit. Die Region ist seit Jahrtausenden durch Ihre Bodenschätze von Bedeutung. Seit etwas 4.000 Jahren bis ins letzte Jahrhundert fand hier Bergbau statt. Heute gibt es nur noch die Ruine des letzten Bergwerks im Örtchen.
Lost Place
Die Bodenschätze haben sich im Namen des Dorfes verewigt: Eisenstein. Heute sind die Vorkommen erschöpft oder der Abbau lohnt sich hier nicht mehr.
Verlassen
Nur noch die verfallenden Ruinen zeugen von den reichhaltigen Bodenschätzen, die dereinst hier lagerten.
Museum der ästhetischen Mineralogie des Eisens
Im Dorf befindet das private „Museum der ästhetischen Mineralogie des Eisens“ (Muzeul de mineralogie estetică al fierului) des Sammlers Constantin Gruescu (rechts). Er begann 1945, schöne und auffällige Steine zu sammeln, die beim Bergbau zutage traten. Zusätzlich begann er, die Funde nach unterschiedlichen Kriterien zu kategorisieren und ab 1967 seine Sammlung in zwei Zimmern seines Hauses auszustellen. Die Sammlung zeigt einige weltweit einzigartige Minerale, darunter auch seltene Exemplare der nach ihm benannten „Gruescu-Koaxialzwillinge".
Constantin Gruiescu
Der mehrfach ausgezeichnete ehemalige Bergmann und spätere Bergbautechniker besitzt keine wissenschaftliche Ausbildung und ist vollständiger Autodidakt. Ihm wurde die seltene Ehre zu Teil, dass schon zu Lebzeiten ein Kristall nach ihm benannt wurde.
Gruescu-Koaxialzwillinge
Natürlich enthält die riesige Sammlung auch ein Exemplar des Gurescu-Koaxialzwillings. Die Überschrift des Exponats lautet: Ocna de fier, Reichenstein 2. Reichenstein 2 war die Erzgrube, in welcher das erste Exemplar dieser außergewöhnlichen Kristallformation gefunden wurde. Diese ständige Ausstellung war eine der größten Mineralsammlungen der Welt. Selbst heute, nachdem er große Teile seiner Sammlung an Museen und wissenschaftliche Einrichtungen verschenkt hat, verbleibt in Eisenstein eine beeindruckend große Sammlung zu bestaunen. Im Jahr 2019 feierte Constantin Gruiescu seinen 95 Geburtstag, wie in lokalen Medien zu lesen war.
Kleiner Stausee
Wir sind hier in der Nähe des Dörfchens Dognecea. Hier ist ein kleiner Stausee (Lacul Mic Dognecea), um den sich folgende Legende rankt: Einst war der gesamte See von Seerosen bedeckt. Dann wurden im See zum Zweck der Gründung einer Fischpopulation chinesische Karpfen angesiedelt. Diese Karpfen haben die Seerosen dann alle in kürzester Zeit aufgefressen. Ob das wohl stimmt?
Lacul Dognecea
Das Dorf Dognecea ist ebenfalls ein ehemaliges Bergwerksdorf. Wir sitzen hier am Lacul Dognecea, dem See von Dognecea. Auch dieser See ist ein Stausee. Inmitten dieser bezaubernden Natur gibt es ein Problem: Auch diese Region ist von dem in Rumänien grassierenden Holzdiebstahl betroffen: Kriminelle schlagen, durch Korruption gedeckt, illegal die für die Natur wertvollen Waldbestände und verscherbeln das Holz an die Sägereien skrupelloser Unternehmer, zumeist in Österreich.
Reșița
Wir sind an unserer letzten Etappe angelangt, der mitten in den Banater Bergen liegenden und heute deindustrialisierten früheren Schwerinsdustriestadt Reșița.
Stadtzentrum
Chinesische Investoren haben die ehemalige Schwerindustrie aufgekauft. Anstatt zu investieren haben Sie jedoch die Anlagen allesamt abgebaut. Sie stehen jetzt in China. Dafür, sagen die Einwohner jetzt mit Galgenhumor, gäbe es in der Stadt endlich saubere Luft. Wofür man sich leider kein Essen kaufen kann.
Wechselstube
Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Gesellschaft korrupt. Was bleibt den Leuten als in der Fremde zu arbeiten? Wechselstuben sind daher von großer Wichtigkeit, denn Rumänien hat keinen EURO.
Strudel
Ein Werbeplakat deutet auf die Vergangenheit unter östereichisch-ungarischem Einfluss hin. Die banater Schwaben sind heute nicht mehr hier, ihr Erbe hat jedoch in der Kultur der Region seine Spuren hinterlassen.
Berglandschaft im Banat
Die Abenddämmerung unterstreicht die Schönheit der Westkarpaten. Diese Region ist auf dem touristischen Radar vollkommen unsichtbar, und ich hoffe, dass das so bleibt.
Dämmerung
Hier, wo sich sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, liegt ein kleines Naturparadies und wartet auf seine Entdeckung. Vielleicht ist es aber auch besser, es bleibt im Verborgenen. La revedere!