Chichén Itzá

Fremdenführergeschichten

Chichén Itzá ist die wohl bedeutendste Ruinenstätte auf der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatán.
Die Bauwerke sind stark restauriert, die Fremdenführer zeigen gerne Originalphotos aus dem späten 19. Jahrhundert, die belegen, in welch beklagenswertem Zustand sich die Monumente befanden. Auf Wikipedia ist ein einschlägiges Photo zu finden.

Unser Ausflug beinhaltet neben der Ruinenstadt noch einen Besuch der Cenote Kubiko, einem Tequila-Museum und einen Abstecher zum Örtchen Valladolid.

Station to station
Station to station
Der Ausflug ist ein Paket aus vier Komponenten. Der Hauptbestandteil ist die Besichtigung Chichén Itzás, wir gelangen jedoch um die Mittagszeit zunächst zur Cenote Hubiku, der ersten Komponente der Tour. Sie liegt etwa 165 km westlich von Cancun, etwa 2 Stunden Fahrt. Als wir ankommen, waren wir also bereits etwa 5 Stunden im Bus.
Cenote Kubiko
Cenote Kubiko
Unsere erste Station ist die Cenote Kubiko. Eigentlich will hier niemand hin, aber nach mehreren Stunden im Bus sind alle für die kleine Pause dankbar. Und die Besichtigung der Cenote kostet keinen Eintritt. Geht doch....
Cenote Kubiko
Cenote Kubiko
Die Karstlandschaft von Yucatán besteht unter der Oberfläche aus zahlreichen Höhlen und einem riesigen Netzwerk unterirdischer Süßwasser-Flussläufe. Bricht nun die Decker einer solchen Höhle über einem Flusslauf ein, so spricht man von einer Cenote. Auf Yucatán gibt es tausende solcher Cenoten, manche sind, wie die Cenote Hubiku, sehr groß.
Planschbecken
Planschbecken
Die Cenote Kubiku ist touristisch erschlossen, als Entschädigung für die lange Busfahrt werden wir animiert, in der Cenote zu planschen. Ich verzichte, da ich meine Habseligkeiten und die Kamera nicht unbaufsichtigt lassen möchte und auch keine Lust zum Baden auf Kommando habe. Trotzdem gefällt mir die Cenote. Und erstaunlicherweise möchte niemand ein Trinkgeld oder Eintritt in die Höhle.
Museo del Tequila
Museo del Tequila
Die zweite Ausflugskomponente ist der Besuch eines Tequila-Museums, am selben Ort. Wir schauen uns das Museum nach der Besichtigung der Cenote an. Das Museum ist ein als Museum getarnter großer Souvenir-Shop, in welchem man sich gegen ein kleines Trinkgelt (Propina) die traditionelle Tequila-Herstellung nahebringen lassen kann und man Tequila in diversen Geschmacksrichtungen probieren und kaufen kann.
Blaue Agave
Blaue Agave
Tequila ist eine Variante (die international bekannteste) der mexikanischen Nationalspirituose Mezcal. Tequila ist dabei eine Herkunftsbezeichnung und wird nur in bestimmten Regionen um die Stadt Tquila herum aus dem Herzen der Blauen Agave gebrannt.
Museum
Museum
Wir erfahren viel Interessantes zu Geschichte, Herstellung und Vermarktung des Agavenbrands. Die Führung ist kostenlos, aber gerade deswegen erhält die Führerin durchs Museum reichlich Trinkgeld von uns. Im Restaurant neben dem Museum gibt es noch ein Mittagessen (von eher mittler bis unterdruchschnittlicher Qualität), dann geht es endlich weiter nach Chichén Itzá.
Chichén Itzá
Chichén Itzá
Nach einer weiteren dreiviertel Stunde kommen wir am Ziel, der Maya-Ruinenstadt Chichén Itzá an. Trotzdem wir sehr früh aufgebrochen sind, erreichen wir unser Hauptziel erst am späten Nachmittag. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Es ist recht voll und wir haben weniger Zeit als gedacht, uns die Stadt anzusehen.
Tempel der Jaguare
Tempel der Jaguare
Der Jaguartempel ist in der Anlage ein auffälliges und archäologisch reichhaltiges Bauwerk. Wie die Schlange galt den Maya der Jaguar als heilig.
Reliefs
Reliefs
Die Wand des Tempels der Jaguare enthält zahlreiche Reliefs.
Schlangengott
Schlangengott
Der Tempel der Jaguare zeigt viele Skulpturen der Schlange, welche als Gottheit verehrt wurde. Man stelle sich das Entsetzen der katholischen Spanier vor, Leute bei der Verehrung einer Schlange vorzufinden.
Ballspielplatz
Ballspielplatz
In Chichén Itzá gibt es mehrere Ballspielplätze. Der größte liegt direkt nördlich im Anschluss an den Tempel der Jaguare.
Tempel der Jaguare
Tempel der Jaguare
Von der obersten Plattform hatte man die beste Sicht auf das Spielfeld des Ballspielplatzes.
Tor
Tor
Ziel des Ballspieles war, den Ball durch diesen Ring zu befördern, wobei der Ring nur geringfügig größer als der Ball ist. Kein leichtes Unterfangen und wahrscheinlich ein dementsprechend seltenes Ereignis.
Kultische Ballspiele
Kultische Ballspiele
Laut Fremdenführer musste der Ball ohne Zuhilfenahme der Hände, Arme UND Beine durch den Ring verbracht werden. Vermutlich ist das eine Phantasie des Fremdenführers, die dafür bekannt sind, unsinnige Theorien um den Ballspielplatz zu erdichten.
Nordtempel
Nordtempel
Auch am nördlichen Ende des Ballspielplatzes befindet sich ein Tempel. Vielleicht war es auch nur ein Schiedsrichterhäuschen. Aus dem Vorhandensein mehrerer Tempel am Spielfeldrand schließen die Archäologen auf eine große religiöse und kultische Bedeutung des Ballspiels, über welches letztendlich sehr wenig bekannt ist.
Schlangengott
Schlangengott
Der Schlangegott ist überall zu finden, so wie hier am nördlichen Ende des Ballspielplatzes.
Kriegertempel
Kriegertempel
Der Kriegertempel (templo de los guerreros) erhielt seinen Namen wegen ausgedehnter Reliefs, welche Krieger und Jaguare zeigen. Es ist eine zweite Version des Tempels, die teilweise auf dem verschütteten Vorgängerbauwerk steht.
Reliefs auf dem Kriegertempel
Reliefs auf dem Kriegertempel
Auf der obersten Plattform des Kriegertempels befinden sich zwei Wände mit Reliefs.
Halle der 1.000 Säulen
Halle der 1.000 Säulen
Der Halle der 1.000 Säulen erstreckt sich um den Kriegertempel. Wobei es sich nicht wirklich um 1.000 Säulen handelt, die 1.000 steht hier für eine unbestimmte, große Zahl.
Grab des hohen Priesters
Das Osario oder Grab des hohen Priesters. In Wirklichkeit ist nicht bekannt, ob in dem unter der Pyramide befindlichen Grab tatsächlich ein hoher Priester begraben war.
Kukulcán-Pyramide
Das bekannteste und weltberühmteste Bauwerk ist die Kukulcán-Pyramide (auch el castilloo genannt). Die Pyramide ist restauriert, bei der Wiederentdeckung war sie stark verfallen und teilweise vom Dschungel überwuchert. Die Pyramide mit dem Tempel auf der Plattform war dem Schlangengott der Maya, Kukulcán, gewidmet.
Schlangenritual
Aufgrund der Geometrie und Ausrichtung der Pyramide entsteht zweimal im Jahr bei Sonnenuntergang ein optischer Effekt, der den Eindruck einer gefiederten Schlange hervorruft. Ob dieser Effekt schon bei der originalen, nicht rekonstruierten Pyramide vorhanden war und ob die Mayas dies für religiöse Handlungen verwendet haben, ist umstritten.
Kukulcán-Pyramide
Ob die phantasievollen Erzählungen der Fremdenführer den Tatsachen entsprechen oder nicht, ist außerhalb der Welt der Gelehrten eigentlich ohne Bedeutung. Wichtig für uns als Besucher ist der Eindruck, welchen die Bauwerke am Ende hinterlassen. Hier mag dann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. Uns hingegen ruft jetzt die Uhr, es ist Zeit, die Ruinenstadt zu verlassen.

Valladolid (Yucatán)

Zu Beginn des Ausflugs habe ich von vier Komponenten gesprochen. Drei sind nun abgehakt, bleibt die vierte: Besuch des Örtchens Valladolid, einer kleinen Stadt in Yucatán, welche für ihre koloniale Architektur bei Touristen beliebt ist. Diese Komponente der Exkursion war, sagen wir, minimalistisch: Der Bus hielt, um einen Gang auf die Toilette zu ermöglichen, und fuhr 10 Minuten später weiter. Check. Die Rückfahrt ging jedenfalls schneller: Zum einen gab es jetzt, um die Touristen ruhigzustellen, kostenlos Bier und Tequila, zum anderen, weil der erste Halt des Busses unser Hotel in Playa del Carmen war. Die Mitreisenden aus Cancún mussten noch bis zu drei Stunden länger im Bus verweilen.