Transsilvanien

Mit dem Auto in und um Transsilvanien und das Banat

Transsylvanien ist nur einer der vielen Namen einer im Süden der Karpaten gelegenen Region, welche das geographische Zentrum sowie den Nordwesten des heutigen Rumäniens umfasst.

Aber es ist der literarisch bekannteste, denn in dieser Region war es, in der Bram Stokers den Blutsauger Graf Dracula sein Unwesen trieben ließ, bevor er ihn in den Ostkarpaten durch den Protagonisten des Romans, den Rechtsanwalt Harker, in einem dramatischen Finale enthaupten ließ.

Sibiu
Sibiu
Sibiu (Hermannstadt) ist eine Stadt im ehemaligen Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen in Rumänien. Hier beginnt unsere gut einwöchige Rundfahrt durch das südosteuropische Land, welches selbst im Jahr 2009 so gut wie gar nicht im touristischen Fokus der Deutschen liegt.
In Sibiu
In Sibiu
Sibiu ist mit seinem Flughafen gut an Stuttgart angebunden und ein perfekter Ausgangspunkt für Touren durch Siebenbürgen, das Banat und angrenzende Gebiete. Auch wir starten unsere Rundreise mit einem preiswerten Mietwagen von hier. Die Stadt liegt nördlich der Südkarpaten und westlich von Brașov (Kronstadt), einer weiteren bedeutenden Siedlung der Siebenbürger Sachsen.
Ratturm
Ratturm
Das Wahrzeichen der Stadt ist der Ratturm. Der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente ursprünglich als Wehrturm der Verteidigung der Stadt. Man kann den Turm besteigen und erhält eine schöne Aussicht über die Stadt. Der Turm liegt genau zwischen den beiden wichtigsten Plätzen der Stadt, dem Piața Mare (großer Ring) und dem Piața Mica (kleinem Ring).
Die in Deutschland auch als Siebenbürgen (rumänisch heute: Ardeal oder Transilvania) bekannte Landschaft wird im Osten, Süden und Westen von den Karpaten umrahmt. Im Süden schließen die Große und die Kleine Wallachei an, im Westen liegt das Banat mit den Banater Bergen, ein bis zu 1450m hohes Mittelgebirge. Im Norden befinden sich Regionen, die einerseits ungarisch geprägt sind und solche, welche bereits der (rumänischen) Moldau zugerechnet werden.
Kleiner Ring
Kleiner Ring
Wir schauen vom Ratturm hinab und sehen den Platz, der kleiner Ring genannt wird sowie einen Teil der Oberstadt (Orașul de Sus). Sibiu ist in eine höhergelegene Ober- und in eine darunterliegende Unterstadt geteilt. Die Oberstadt bildete das politische und kulturelle Zentrum der Stadt.
Oberstadt
Oberstadt
In der Oberstadt wohnten die Mächtigen und die Reichen. Hier befinden sich fast alle bedeutsamen historischen Bauwerke der Stadt, wie dieses schön renovierte Bürgerhaus.
Brukenthal-Palast
Brukenthal-Palast
Mit dem Brukenthal-Palast beherbergt Sibiu eines der bedeutendsten Barockbauwerke Rumäniens. Das prachtvolle Gebäude befindet sich am Piaţa Mare. Direkt daneben das blaue Haus (casa azul). Der Piaţa Mare ist der zentrale Platz der Stadt und seineszeichens einer der größten Plätze dieser Art Rumäniens.
Brukenthal-Museum
Brukenthal-Museum
Innerhalb des Brukenthal-Palasts befindet sich ein Teil des Brukenthal-Museums. Das Brukenthal-Museum (rom. Muzeul Național Brukenthal) ist eine Gruppe von Museen in Sibiu. Jedes Museum ist eigenständig, alle zusammen befinden sind unter dem Dach einer gemeinsamen Verwaltung.
Mittelalterfest
Mittelalterfest
Einmal im Jahr ist Mittelalterfest. Das Festival ist ein Touristenmagnet, es ist nicht leicht, an diesem Wochenende eine Übernachtungsgegelegenheit zu finden. Am frühen Nachmittag ist der Besucherandrang noch überschaubar. Am späten Nachmittag und am Abend ist es sehr voll.
Straßenhändler
Straßenhändler
Händler bieten unterdessen allerhand traditionelle Handwerksprodukte an. Viele Händler gehören der zweitgrößten (nach den Ungarn) Minderheit in Rumänien, den Roma an. Umgangssprachlich werden die Roma von Teilen der Bevölkerung als 'țigani' (Zigeuner) bezeichnet, sie sind bei der übrigen Bevölkerung wenig gelitten.
Sowohl in Siebenbürgen als auch im Banat lebten vergleichsweise zahlreiche deutsche Minderheiten: Die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben. Im Gegensatz zu anderen Ostblockstaaten vertrieben die Rumänen die Deutschen nach dem Krieg nicht, es kam jedoch zu zahlreichen Übergriffen. Auch mussten viele Rumänendeutsche nach dem Krieg in Russland Arbeitsdienst leisten, z. Bsp. in den Kohlegruben des Donbas in der heutigen Ukraine.
Lügenbrücke
Lügenbrücke
Rumäniens erste gußeiserne Brücke überspannt die Straße, welche Ober- und Unterstand miteinander verbindet. Das historische Bauwerk wurde im Jahr 1859 errichtet. Der Legende nach stürzt die Brücke ein, sobald ein Lügner sie betritt. Die Brücke steht heute noch, dank der scheinbar grundehrlichen Einwohner der Stadt.
Unterstadt
Unterstadt
Während in der Oberstadt die Elite zu Hause war, wohnten in der tiefer gelegenen Unterstadt (Orașul de Jos) die Kaufleute und Handwerker.
In der Unterstadt
In der Unterstadt
Sibiu war 2007 europäische Kurlturhauptstadt. Trotz der damit einhergehenden Renovierungsarbeiten gibt es abseits der für Touristen hergerichteten Bereiche noch einiges zu tun. Während die Oberstadt erstrahlt ist, erkennen wir in der Unterstadt noch einen unübersehbarer Sanierungsrückstand.
Flanieren
Flanieren
Es macht Spaß, in der Unterstadt zu flanieren. Kleine, gepflegte Wohnhäuser beherrschen das Stadtbild. Die um den Kern angeordneten Wohngebiete der Unterstadt strahlen verhältnismäßigen Stolz und Wohlstand aus, auch wenn einzelne Gebäude bisweilen ein wenig baufällig wirken.
Kathedrale
Kathedrale
Eine der vielen Kirchen: Die rumänisch-orthodoxe Kathedrale wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Mit dem Ende des Kommunismus und des sowjetischen Einflusses ist die Religiosität der rumänischen Bevölkerung zu neuer Blüte gelangt. Im Gegensatz zu Ländern wie Polen schlägt sich das jedoch nicht in der Politik nieder, es bleibt ein privates Phänomen.
Elektrizität
Elektrizität
Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes... Und wir fahren weiter, Richtung Osten, nach Bran.

Nach den Strafdiensten in Russland kehrten die Überlebenden in ihre rumänischen Heimatgebiete zurück und arrangierten sich mit der neuen Situation.

Aus diesem Grund sind in beiden Regionen selbst heute noch starke kulturelle Einflüsse der Rumänendeutschen vorhanden (zur Zeit der Reise gab es z. Bsp. in Sibiu eine deutsche Buchhandlung, in welcher ich – was sonst – eine deutsche Ausgabe von Bram Stokers Dracula als Andenken erworben habe).

Heute, nach dem Zerfall des Sowjetimperiums, gibt es kaum noch Deutsche im Banat und in Siebenbürgen. Die meisten haben das Land gegen Ende des letzten Jahrtausends für immer in Richtung Deutschland verlassen.

Bran
Bran
Der kleine Ort Bran liegt etwa 30 km südlich der Stadt Brașov. Bran ist in Siebenbürgen der Ausgangspunkt des Bran-Passes, welcher Siebenbürgen mit der Großen Walachei verbindet.
Schloss Bran
Schloss Bran
Bekannt ist der Ort in erster Linie durch ein kleines Schloss, welches im 14. Jahrhundert gebaut wurde. Heute wird das im Besitz der Habsburger befindliche Schlösschen erfolgreich als Draculaschloss vermarktet und beherbergt ein Museum.
Teehaus
Teehaus
Vor dem Schloss befindet sich ein kleiner, schaurig-romantischer Park mit einem verwunschen wirkenden Teehaus. Wir sind unter der Woche am späten Nachmittag hier, es sind nur noch vereinzelte Besucher auf dem Gelände und wir lassen die leicht morbide Stimmung des kleinen Parks auf uns wirken.
Blick aus dem Fenster
Blick aus dem Fenster
Das Schloss kommt den Beschreibungen des Wohnsitzes des brüchtigten Vampirgrafen Dracula in Bram Stokers Roman sehr nahe. Bram Stoker hat das Schloß wahrscheinlich nicht gekannt, als er sein brühmtes Buch geschrieben hat. Die Ähnlichkeit ist zufällig, aber touristisch hervorragend zu vermarkten.
Treppe
Treppe
Im Inneren des Schlosses befindet sich ein Museum. Obwohl das Schloss von außen wuchtig erscheint, ist das Innere doch klein und verwinkelt.
Vampirgeschichten
Draculas historisches Vorbild, Graf Vlad III. Draculea, der vermeintlich blutrünstige rumänische Graf, hat sich wahrscheinlich nie hier aufgehalten. Nichtsdestotrotz ist das Schlösschen hübsch und unbedingt einen Abstecher wert.
Brașov
Nicht weit von Bran gelegen: Neben Sibiu ist Brașov (Kronstadt) die bedeutendste Stadt in Siebenbürgen. Und, wie man lesen kann, die wahrscheinlich beste Stadt der Welt.
Fußgängerzone
Die von den Deutschen Kronstadt genannte Stadt liegt am südöstlichen Rand des auch als Transylvianien bezeichneten Siebenbürgen.
Schwarze Kirche
Die schwarze Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig das bedeutendste gotische Kirchenbauwerk Südosteuropas.
Verfallendes Haus
Wie in Sibiu prägen Häuser in historischer Bauweise das Bild der historischen Altstadt. Allerdings ist der Erhaltungsgrad vieler Gebäude beklagenswert und steht in krassem Gegensatz zu dem Erscheinungsbild der Altstadt von Sibiu.
Altstadt
Die alte Pracht lässt sich jedoch selbst in dem verwahrlosten Zustand noch erahnen. Die Altstadt würde historischen Zentren anderer berühmter Städte wie Heidelberg gleichkommen, wenn sie denn renoviert wäre.
Strata Sforii (Zwirngässchen)
In der Altstadt gibt es die angeblich engste Gasse der Welt. Immerhin ist die Straße mit einer Breite von 1,32m an der engsten Stelle eine der schmalsten Gassen Europas. Direkt dahinter findet sich ein Hotel, welches zweifelsohne das Ziel der beiden Touristinnen im fortgeschrittenen Alter ist.
Gott Hotel
Direkt nach der engsten Gasse der Welt stehen wir vor ... dem Gott Hotel. Nun wissen wir, Gott lebt nicht in Frankreich, sondern in Brașov, in einem bescheidenen Hotel, in der wahrscheinlich besten Stadt der Welt. Wo sonst.
Sf. Nicolae
An Kirchen mangelt es ihm sicherlich nicht. In Kronstadt gibt es reichlich davon. Hier sehen wir ein besonders hübsches Exemplar, die Kirche des heiligen Nikolaus.
Marktplatz
Der Marktplatz (Piața Sfatului) mit dem alten Rathaus. Die Beschaulichkeit hier wird wahrscheinlich durch das jährlich stattfindende Jazz-Festival ein wenig strapaziert. Das Festival ist dafür bekannt, auch den atonal-geschulten, massenfernen Geschmack zu bedienen. Während unseres Besuchs wurde noch aufgebaut, die Soundchecks ließen jedoch erahnen, dass gefällige Harmonien nicht den Schwerpunkt des Festivals bilden werden. Wir werden's nicht erleben, denn wir werden am späten Nachmittag wieder mit dem Bus nach Bran zurückkehren.
Prefectura Județului Brașov
Öffentliche Gebäude sind im Gegensatz zu vielen Privathäusern gut erhalten, an prachvollen Bauwerken jedenfalls mangelt es der kleinen Stadt nicht. Wir sehen hier die Prefectura Județului Brașov (Büro der Landesregierung).
Stadtbild
Überall in der Innenstadt finden sich schmucke Ecken.
Schlendern
Wir schlendern ein wenig ziellos durch die Straßen, auch abseits des Zentrums. Überall sehen wir schöne Winkel. Uns gefällt die Stadt.
Beton
Natürlich haben auch hier Sozialismus und Moderne ihre Bausünden hinterlassen, so wie dieses brutalistisch anmutende Wohngebäude inmitten der Stadt.
Braşov
Das Stadtzentrum von Braşov liegt direkt unterhalb des Berges Tâmpa, auf dem sich der weithin sichtbare Schriftzug mit dem Namen der Stadt befindet.
Die Ebene von Siebenbürgen
Von der Stadt gelangt man mit einer Seilbahn auf eine Aussichtsplattform, welche ein schönes Panorama auf die Altstadt Braşovs und auf die von den Karpaten umschlossene Ebene Siebenbürgens erschließt.
Spaziergang am Tâmpa
Es gibt auch einen reizvollen Weg am Hang des Tâmpa von der Altstadt hinauf zu der Plattform. Der Aufstieg dauert etwa 1-2h, bergab geht es schneller.
Restaurant
Nach der anstrengenden Seilbahnfahrt ist man natürlich hungrig. Die Gaststätte ist eine Empfehlung des Lonely Planet. Und in der Tat. Traditionelle rumänische Küche, deftig und lecker.
Ebene von Siebenbürgen
Von Brașov/Kronstadt soll es nicht über den Bran Pass, sondern auf der DN 7C über die Transfogarasche Hochstraße (Drumul Transfăgărășan) weiter gehen in Richtung Große Walachei. Wir halten vor dem Olt-Tal kurz, um ein paar Aufnahmen zu machen.
Făgăraș-Gebirge
Die Transfăgărășan überquert dabei das Făgăraș-Gebirge, eine Gebirgsgruppe der Transsilvanischen Alpen. Die Route beginnt im Olt-Tal in Siebenbürgen, der Abstieg auf der anderen Seite des Gebirges wird uns durch das Capras Tal in der Walachei führen.
Hindernis
Im siebenbürgischen Olt-Tal, dem Beginn des Aufstiegs, wird die Fahrt zunächst einmal durch temporäre örtliche Umstände gebremst.
Pass
Die Transfogarascher Hochstraße windet sich durch das Olt-Tal bis auf eine Höhe von gut 2000m. Hier, an der höchsten Stelle gibt es eine Art Raststelle mit allerhand zu kaufen, insbesondere Souvenirs und Kleinigkeiten zum Essen und zum Trinken. Im Winter ist der Pass gewöhnlich nicht passierbar und die Straße gesperrt.
Bâlea-See
Der kleine Bâlea-See an der am Pass lädt zum Verweilen ein. Hier führt die Straße in etwa 2000m Höhe durch einen Tunnel (Bâlea-Tunnel) unter dem Gipfel des Berges Paltinu (2398m) hindurch. Der Bâlea-Tunnel ist Rumäniens höchstgelegener und längster Tunnel.
Bâlea-Naturschutzgebiet
Mit der Aussicht auf das Bâlea-Naturschutzgebiet (Valea Bâlii) gewähren wir uns einen letzte Blick zurück auf die Ebene von Siebenbürgen. Dann fahren wir weiter durch den Tunnel unter dem Paltinu, Richtung große Walachei.
Karpaten
Während der Aufsteig zum Pass aus Richtung Siebenbürgen zügig vonstatten geht, benötigt der Abstieg in Richtung Große Walachei wesentlich mehr Zeit. Direkt nach dem Bâlea-Tunnel, welcher den 2398 m hohen Paltinu untertunnelt, beginnt der Abstieg ins Capra-Tal zunächst durch die alpine Landschaft der Südkarpaten.
Capra-Tal
Später, unterhalb der Baumgrenze, verläuft die Straße kurvig durch das von dunklem Wald besetzte Capra-Tal (Valea Caprei), zunächst kurvenreich, später eher sanft, aber immer landschaftlich reizvoll.
Vidraru-Stausee
Irgendwann erreichen wir den Vidraru-Stausee (Lacul Vídrau). Die Straße folgt dem Nordufer des Sees, welcher unglücklicherweise drei fjordartige Ausläufer besitzt. Diese werden nicht über eine Brücke überquert, die Straße folgt kurvenreich den fjordähnlichen Ausbuchtungen des Sees. Wegen der vielen Kurven kommen wir nur langsam vorwärts. Schließlich gelangen wir auf die sechs Meter breite und gut 300m lange Staumauer und halten kurz, um das Panorama zu genießen.
Burg Poenari
Etwas südlich des Stausees befindet sich die Burg Poenari (Cetatea Poenari). Die wohl im 13. Jahrhundert errichtetet Burg wechselte häufig den Besitzer und war im 15. Jahrhundert bereits wieder verfallen. Vlad III. Draculea ließ sie aufgrund ihrer hervorragenden strategischen Lage wieder aufbauen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Burg endgültig aufgegeben und verfiel allmählich.
Treppe
Die Burg ist heute über eine endlos lange Treppe zu erreichen, oben angekommen kann man an der Eintrittsstation dankbarerweise auch Getränke kaufen. Der Eintrittspreis ist gering und die Getränke sind ebenfalls nicht teuer.
Tel des Argeș
Die Aussicht entschädigt für die Strapazen. Unten sehen wir den Parkplatz, an welchem die Treppe beginnt, die sich ohne Unterbrechung bis fast zur Burg erstreckt.
Draculas echte Burg
Der vermeintliche Schlächter Vlad III. Draculea, vermutlich Vorbild für Bram Stokers Dracula, hat sich tatsächlich hier aufgehalten. Hier versteckte er sich auch 1492 vor einem Heer der Türken und Tarten und ihm gelang die Flucht vor den Verfolgern. Heute sind die Mauern gesichert und teilweise repariert. Wer den Aufsteig nicht scheut, kann das seinerzeit aufgrund der Örtlichkeit nahezu uneinnehmbare Mauerwerk bewundern und wird mit einem schönen Ausblick belohnt.
Curtea de Argeș
Etwas weiter südlich, in den Südkarpaten, liegt das kleine Städtchen Curtea de Argeș. Gegründet im 14. Jhd. ist die Stadt eine der ältesten Städte Rumäniens.
Kathedrale von Curtea de Argeș
Wir sind aus einem ganz bestimmten Grund hier: Diese kleine und unscheinbare Gemeinde beherbergt eines der berühmtesten Gebäude Rumäniens: Die Kathedrale von Curtea de Argeș (Catedrala Curtea de Argeș) mit ihren maurischen Arabesken.
Maurische Arabesken
Die Kathedrale ist nicht nur wegen ihrer verzaubernden Schönheit berühmt. Ebenso berühmt ist die gruselige Legende des (vermeintlichen Architekten) Meister Manole (Meșterul Manole) über die Erbauung der Kathedrale, nachzulesen z. Bsp. in Reiseführern bzw. bei Wikipedia.
Pfarrhaus
Die Kathedrale ist zwar das herausragende, aber nicht das einzige schmucke Bauwerk auf dem Gelände. Das völlig überwucherte Pfarrhaus ist ebenfalls sehenswert.
Große Walachei
Wenn man von Curtea de Argeș südlich der Karpaten in westlicher Richtung durch eine fruchbare Kulturlanschaft fährt, gelangt man nach etwa 3-4h in die nächste größere Stadt der Walachei.
Târgu Jiu
Târgu Jiu ist eine kleine Großstadt im Vorland der Südkarpaten. Eher uninteressant, gekleidet in sehr sozialistisches Ambiente. Einzig das Stadtzentrum besitzt durch seine Gepflegtheit, die kleine Kathedrale und durch moderne Gebäude eine bescheidene mondäne Ausstrahlung,
Wohneinöde
Das Stadtbild ist heute von sozialistischen Bausünden geprägt, wie man sie in vielen Städten Rumäniens findet.
Zentrum
Die Stadt ist seit anfangs des 15. Jahrhunderts bekannt (damals noch ohne Stadtrecht) und hat heute ca. 80.000 Einwohner. Kenner der bildenden Kunst horchen jetzt jedoch auf, denn hier befindet sich nichts weniger als ein Skulpturenensemble des herausragenden französisch-rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși. Auf den folgenden Bildern präsentieren sich die Skulpturen eines dreiteiligen Ensembles, welches auch Târgu Jiu Ensemble genannt wird.
Unendliche Säule
Der erste Teil des Ensembles ist die unendliche Säule (La Colonne sans fin). Die unendliche Säule enstand 1937/38 und ist gut 29m hoch. Die Säule entsteht durch die Wiederholung identischer Formen. Dies ist die höchste Skulptur dieser Art des Künstlers.
Tor des Kusses
Das Tor des Kusses (La Porte du baiser) hat der Künstler so bemessen, dass die Proportionen dem goldenen Schnitt entsprechen. Auf den Flächen ist das Symbol des Kusses jeweils 16 mal, an den Säulen jeweils 4 mal angebracht. Das Tor des Kusses ist die mittlere Skulptur der Gruppe.
Tisch des Schweigens
Der Tisch des Schweigens (La Table du silence) schließt das Ensemble ab. Die drei Skulpturen sind auf einer Geraden angeordnet. Die Verbindung erschafft aus den drei Skulpturen ein zusammenhängendes Werk. Die drei Skulpturen sollen der Soldaten des ersten Weltkriegs gedenken, eine offizielle, klare Deutung gibt es jedoch nicht.
Reșița
Von Târgu Jiu nach Reșița im Banater Gebirge (Munții Banatului) sind es zwar nur ca. 200 Straßenkilometer, aber die Fahrt dauert gute 4h.
Zentrum
Reșița ist eine alte Industriestadt mit überwiegend Schwerindustrie. Der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums in der 90er Jahren versetze der Wirtschaft der Stadt einen Schlag, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat.
Lok Nr. 1
Bis ca. 1960 wurden hier Dampflokomotiven produziert, von denen einige im Freilichtmuseum für Dampflokomotiven bestaunt werden können. Unter anderen auch die erste in Reșița hergestellte Lokomotive aus dem Jahr 1872, die Nr. 1.
Eisenbahn
Heute wird hier nichts mehr produziert. Die Schwerindustrie wurde abgebaut und nach China verschifft. Immerhin verhinderte ein beherzter Bürgermeister, dass die Dampflokomotiven des Museums als Altmetall nach China verkauft wurden. Die rumänische Eisenbahn hält hier immer noch, und es gibt eine direkte Verbindung nach Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens.
Banater Berge
Das Banater Gebirge bildet den südlichen Teil der rumänischen Westkarpaten (Carpații Occidentali). An der Grenze zu Serbien wird das Banater Gebirge durch die Donau begrenzt.
Semenic
Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Semenic-Gebirge (Munții Semenic) mit seinem Nationalpark Semenic-Cheile Carașului. Das auch "Dach des Banats" genannte Gebiet erhebt sich mit seinen höchsten Gipfeln auf bis zu 1450m. Die schneereichen Berge sind im Winter ein beliebtes Skigebiet.
Windturbine
...Elektrifizierung des ganzen Landes: Auf dem Plateau des Semenik befinden sich auch die Ruinen mehrerer Windkraft-Forschungsturbinen. Imposante Industriegeschichte: So rosten die technischen Relikte vor sich hin. Diese ersten Windtourbinen haben wenig mit den modernen Anlagen, die wir kennen, gemein. In der Zeit, in der diese Bauwerke enstanden sind, gab es noch keine Materialien, mit denen sich effektive Windräder bauen ließen.
Schaukel
Auf dem Semenic finden wir Hotelanlagen, welche im Jahr 2009 zu großen Teilen verfallen und außer Betrieb sind. Dabei ist die Region touristisch aufgrund der reizvollen Mittelgebirgslandschaft hervorragend zu vermarkten.
Drei Wässer
Dem Semenic-Gebirge entspringen drei Bäche, die Semenic, Grădiște und Brebu genannt werden. Sie vereinigen sich später zum Fluss Timisul. Der am Ort des Zusammenfließens gebildete Stausee wird von den Banater Schwaben "Drei Wässer" (die rumänische Bezeichnung lautet "Tri Ape") genannt.
Sonnenliegen
Der Dreiwässerstaudamm wurde 1965 gebaut und bildet zusammen mit der Region heute ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Möglichkeiten zum Campen, Tretboofahren und zum Wandern.
Dorf
Die Gegend wird von der wunderschönen Natur und typischen Dörfern geprägt. Früher gab es hier viele Deutsche, heute haben die meisten der Banater Schwaben Rumänien für immer den Rücken gekehrt.
Eisernes Tor
Am südlichen Ende des Banater Gebirges gelangen wir zum eisernen Tor. So nennt sich das Durchbruchstal der Donau durch das Gebirge, das auf rumänischer Seite Banater Gebirge und auf serbischer Seite die serbischen Karpaten genannt wird. Die Donau bildet hier die Grenze zwischen den beiden Staaten. Zu beiden Seiten der Grenze bildet die imposante Landschaft ein großes und großartiges Naturschutzgebiet.
Decebal-Skulptur
Hier befindet sich auch die riesige Decebal-Skulptur (Sculptura lui Decebal), eine Monument (je nach Quelle 40m oder 55m hoch und damit Europas höchste Felsskulptur), welches den letzten König von Dakien, Decebal, darstellt. Gemäß der Legenden brachte sich Decebal ca. im Jahre 106 lieber um, als in römische Gefangenschaft zu geraten. Das verklärt ihn zu einer Art Volksheld. Das historische Dakien erstreckte sich über bedeutende Teile Rumäniens, daher betrachten viele Rumänen die Daker als ihre historischen Vorfahren.
Kastell Voislova
Auf dem Rückweg nach Sibiu machen wir kurz halt am Kastell Voislova. Wir bestaunen die Überreste eines Lagers romischer Hilfstruppen nahe des Dorfes Voislova. Dies erscheint uns jedoch eher für Archäologen interessant und wir halten uns nicht lange auf.

Banater Gebirge

Wir verabschieden uns von unserer kurzen Rundreise durch Transsylvanien und angrenzende Gebiete mit diesem wunderschönen Foto, welches irgendwo in spätnachmittaglicher Stimmung in den Banater Bergen entstanden ist, irgendwo zwischen der Donau und dem Semenic-Gebirge.